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24. November 2005: Die letzten Tage
waren irgendwie anstrengend für mich. Ich hatte schwer mit den
Wassereinlagerungen zu kämpfen, wurde immer unbeweglicher und lag eigentlich nur
mehr. Weiters bemerkte ich, dass sich Dorian nur mehr ganz selten bewegte,
während Valerian nun den Ton im Bauch angab. Allerdings lag er wiederum
sehr ungünstig, seinen Kopf unter meinem Nabel, zusammengerollt, Beinchen unten,
wie ein Engerling und er saß auf Dorians Kopf.
Morgens machte ich
mich fertig für die Routineuntersuchung im Krankenhaus, Ssw 33+6. Intuitiv
packte ich noch schnell meinen Klinikkoffer bevor ich aufbrach. Zuerst wurde
Valerian geschallt und untersucht, alles war bei ihm in bester Ordnung. Dann war Dorian an der Reihe und da sah es auf einmal nicht mehr so gut aus,
im Raum wurde es ganz ruhig, ein unheimliches Gefühl. Er wurde
besonders genau untersucht, mit dem Ergebnis, dass er wohl nicht mehr
ausreichend versorgt wird & wurde, weiters zeigte er Stresszeichen, was mittels
einer Kopfarterienuntersuchung herausgefunden wurde, es ging ihm also
nicht wirklich gut. Die Ärzte bestanden auf eine sofortige stationäre Aufnahme
wollten ihnen auf jeden Fall eine Lungenreifung verabreichen und sie am nächsten
Tag holen.
Ich konnte noch einiges für Daheim regeln, um Tristan und Conny versorgt zu wissen. Mein Mann bekam ja leider keinen Urlaub.
Ein
erneutes CTG wurde gemacht, mein Mann war mittlerweile in die Klinik gekommen, dass zum einen
deutlichere Wehen aufwies, zum anderen zeigte, dass Dorians
Herztöne schwach wurden.Von da an redete ich den
beiden Jungs gut zu, mir war ganz recht, dass sie nun selber entschieden, dass
sie raus wollten. Der Gedanke, dass sie einfach willkürlich geholt werden, war
mir unbehaglich. Weiters nahm ich von meiner Kugel Abschied, da dies wohl meine
letzte Schwangerschaft war, musste das einfach sein. Mein Mann musste leider wieder zur Arbeit. Mir
wurde die Cerclage entfernt, man vermutete, dass sie die Gebärmutter reizte und dies
die Wehen verursachte. Weiters bekam ich die Lungenreifungsinjektion, völlig
umsonst, leider. Kaum war die Cerclage entfernt, ging es aber erst richtig
los, bei der nächsten Muttermundkontrolle wenige Minuten nach der Entfernung war dieser bereits
vollständig geöffnet! und
ich hörte den Arzt sagen: Das geht schneller als mir geheuer ist - die Blase war geplatzt, Valerian schickte sich an bereits mit den Füßen voran zur Welt zu kommen.
Am CTG sah man auch, dass Dorian nun mit den heftigen Wehen nicht zurecht kam.
Daraufhin wurde Valerian zurück geschoben und ich kam gleich in den OP. Zum einen lag Valerian, der führende Zwillinge ja in
Beckenendlage, zum Anderen wäre Dorian, wohl zu schwach gewesen für eine
spontane Entbindung. Ich bekam also prompt Wehenhemmer, durfte meinen Mann noch
anrufen, der zum Glück von seiner Arbeit wieder wegkam. Von der OP selber bekam ich ja
nicht viel mit, bis es irgendwann mal hieß: Nun kommen die Kinder. Prompt gab es
Gelächter im gefüllten OP; Valerian kam zuerst, Popo voran, er hielt sich mit
beiden Händen an der Nabelschnur fest und wollte nicht raus aus seiner
kuscheligen Behausung. Kaum hatten die Ärzte seinen kleinen Fäuste von der
Nabelschnur befreit, schnappte er sich die Klammer des Arztes um seinen Unmut zu
äußern. Dorian wurde eine Minute später geholt, Kopf voran,
er war ganz still, kein Geschrei, garnichts, auch im Raum selbst war es ganz ruhig geworden, beunruhigend leise. Dann kam zunächst Valerian zu mir, mit weiten offenen Augen, gerunzelter Stirn & offenem
Goscherl. Ich stupste mit meiner Nase an die seine, beschnupperte ihn und hieß ihn willkommen. Erst fast eine halbe Stunde später durfte ich endlich Dorian begrüssen, schlafend und sichtlich erschöpft. Einfach
hinreißend. Einen Moment später waren sie schon auf dem Weg ins Kinderzimmer.
Rund eine halbe Stunde später kam ich aus dem OP und wurde in einen Kreissaal
für die Nachversorgung gebracht. Vom Kinderarzt erfuhren wir, dass beide wohlauf
sind, wenn auch Dorian sichtlich geschwächt war. Sein Teil der Plazenta war
vollends ausgeschöpft und leer, nicht ein Mal seine Blutgruppe konnte daraus
noch bestimmt werden, seit Tagen schon war er wohl nicht mehr versorgt
worden. Beide lagen im Inkubator und bekamen Sauerstoff hinein geblasen.
6 Stunden später
durfte ich sie auch kurz wieder sehen. Meine Hebamme war so nett und schob mich
kurzerhand samt meinem Bett ins Kinderzimmer, zwischen die beiden Inkubatoren.
Um 5 Uhr früh wurde ich dann auf mein Zimmer gebracht, wo ich eigentlich kein
Auge zu bekam und die Geschehnisse des Tages erst ein Mal aufarbeitete & mit den
ersten OP-Schmerzen zu tun hatte. Um 8 Uhr
morgens erfuhr ich dann, dass Dorian auf die Neonantologie gebracht worden war,
da man sich dort besser um ihn & seine Bedürfnisse kümmern konnte, er hatte
schwer mit seiner Atmung zu kämpfen. Ich sorgte
mich natürlich erst ein Mal, war aber leider ans Bett gefesselt und konnte noch
nicht aufstehen. Mittags nahm ich dann aber alle meine Kräfte zusammen und
trotzte den heftigen Schmerzen um wenigstens Valerian im Kinderzimmer besuchen
zu können. Er lag friedlich im Inku, schlummerte vor sich hin, zog im Schlaf
Grimassen und war sichtlich rund um zufrieden mit der Wärme und seiner Umgebung,
völlig unberührt vom gestrigen Tag, richtig unbekümmert. Nachmittags führte mich mein Mann dann auf die Neo hinunter, wo wir auch unseren
kleinen Schatz wieder sehen konnten. Dorian war verkabelt und an Monitoren
angeschlossen, eine Infusion war gelegt worden und eine Magensonde hatte er
bekommen. Sein kleiner Brustkorb ging rauf und runter bei jedem Atemzug und er
war mit dieser Situation auch nicht zufrieden, raunzte viel und sah aus wie ein
Häufchen Elend. Sein Kopf war derart schmal, nicht zu glauben, ganz zerquetscht. Kein schöner Anblick für frischgebackene Eltern. Aber schnell wurde
klar, dass es ihm bestens geht, und dass es auf der Station viel viel schlimmere
Fälle gab als ihn.
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